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Rezension: Carina Bartsch - "Nachtblumen"

Seiten:

544

 

Übersetzer:

-

 

  Verlag:

Rowohlt Verlag

 

 Klappentext:

 "Das Leben könnte so einfach sein. Wäre es manchmal nicht so verdammt schwer. Jana schläft am liebsten unter dem Bett. Collin friert gerne. Jana wünscht sich vertraute Menschen um sich herum. Collin möchte mit anderen Leuten nichts zu tun haben. Auf Sylt begegnen sich die beiden in einem Wohnprojekt und leben für die nächsten zwei Jahre Zimmer an Zimmer. Da ist eine Mauer, die sie trennt. Und eine Tür, die sie verbindet.
Nach den Bestsellern «Kirschroter Sommer» und «Türkisgrüner Winter» erzählt Carina Bartsch hier eine sehr berührende Liebesgeschichte zwischen zwei Außenseitern: gefühlvoll, authentisch, atmosphärisch."

Quelle: Rowohlt Verlag

"Kirschroter Sommer" und "Türkisgrüner Winter" haben mich vor Jahren begeistert und lange habe ich auf einen neuen Roman von Carina Bartsch gewartet. Und was soll ich sagen? Die Autorin hat mich überrascht, aber nicht enttäuscht. "Nachtblumen" ist ganz anders als ihre bisherigen Bücher und man kann sie nicht vergleichen.

 

Jana, die Protagonistin, ist ein komplexer Charakter. Sie ist verschlossen und überaus sensibel. Sie beginnt eine Ausbildung auf Sylt und wird bei den Völkners untergebracht. Die beiden haben einst einen schweren Verlust erlitten und es sich zur Aufgabe gemacht, Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen unter die Arme zu greifen.

 

In einem Anbau lebt Jana nun mit anderen jungen Erwachsenen zusammen, unter anderem mit Collin. Er ist ruhig, zurückgezogen und verschlossen. Jeder scheint ein einschneidendes Erlebnis und Geheimnisse in der Vergangenheit zu haben.

Unterstützt werden die Jugendlichen auch von Menschen der Inselgemeinschaft. Janas Therapeutin baut nach und nach eine Verbindung zu ihr auf und arbeitet Schmerzvolles gemeinsam mit ihr auf.

Ich konnte mit Jana sehr gut mitfühlen. Sie hat mich als Charakter berührt, wie es selten ein Protagonist schaffen konnte. Ich habe mich in ihr erkannt und Aussagen, die sie ausspricht, könnten von mir stammen. Besonders die Therapiestunden kommen mir sehr bekannt vor.

 

Collin ist ein interessanter Charakter. Ich konnte seine Beweggründe und seine Verdrängung ebenfalls nachvollziehen. Nur gegen Ende des Buches hätte ich mir etwas mehr von ihm gewünscht. Mehr Interaktion innerhalb der Geschichte und mit Jana. Auf der anderen Seite passt dieses zurückgezogene, verhaltene Betragen zu seinem Charakter.

 

Manche mögen die Geschichte als langweilig empfinden, da die Fixierung der Geschichte nicht auf der Handlung beruht, sondern auf den Emotionen und Gedanken der Charaktere, insbesondere Janas.

 

Mich hat die Geschichte wirklich geschlaucht. Nicht weil sie schlecht war, im Gegenteil. Ich war emotional und gedanklich so in der Handlung verankert, dass ich nach dem Lesen so eine Leere in mir spürte. Auch heute - Wochen danach - herrscht ein Gefühlschaos in mir, wenn ich an dieses Buch und diese Geschichte denke. Vielleicht fällt es mir gerade deshalb so schwer, eine Rezension zu verfassen.

 

"Nachtblumen" ist kein einfacher Liebesroman. Hier kämpfen Menschen, junge Erwachsene, mit Schicksalsschlägen und Traumata der Vergangenheit, mit den Problemen der Gegenwart und mit Zukunftsängsten. Es gibt Menschen, die haben so viel Mist in ihrem Leben mitmachen müssen und sind dennoch nicht ganz zerbrochen. Und andere Menschen, widmen sich dem Heilen dieser Wunden. Jeder braucht jemanden, dem er sich anvertrauen kann. Der für einen da ist. Gerade, wenn man selbst nicht die Kraft hat, weiterzumachen.

Für mich war "Nachtblumen" deshalb auch eine Geschichte, die Hoffnung mit sich bringt.

Es ist nicht immer alles perfekt. Aber du kannst einen Weg inmitten der Probleme und Ängste finden.